Hallo zusammen, und willkommen bei Ganz schön Deutsch. Das ist ein Podcast für Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, und nach verständlichen, klar gesprochenen Hörtexten suchen. Den Text dieser Folge kannst du auf meiner Website ganzschoendeutsch.de mitlesen. Den Link dazu gibt es auch in der Beschreibung des Podcasts.
Lasst uns loslegen :)
Deutschlands Kultur hat einen großen Schatz an Märchen, Sagen und Geschichten. Diese Erzählungen handeln von verschiedenen Charakteren und Vorkommnissen, die unterhalten oder lehrreich sein sollen.
Die meisten Sagen wurden bereits im Mittelalter niedergeschrieben oder sind sogar noch älter. Ich werde bestimmt noch einige weitere davon hier im Podcast erzählen, aber heute geht es um eine der bekanntesten deutschen Sagen: Der Rattenfänger von Hameln.
Ich erzähle eben einmal, um was es in der Geschichte geht.
Der Erzählung nach gab es im dreizehnten Jahrhundert in der Stadt Hameln ein großes Schädlingsproblem: Die Stadt leidet an Ratten und Mäusen. Diese Tiere fressen das Essen der Menschen auf und verbreiten Krankheiten. Die Stadt Hameln gibt es wirklich. Ebenso ist bekannt, dass es im Mittelalter immer wieder Krankheitsausbrüche und Hungersnöte durch Ratten gab.
Da kommt ein Rattenfänger nach Hameln. Er verspricht dem Bürgermeister und den Bewohnern der Stadt, dass er alle Ratten und Mäuse innerhalb der Stadtmauer einfängt. Dafür verlangt der Mann einen gewissen Lohn. Die Bürger freuten sich und versprachen dem Rattenfänger das Geld.
So zog der Rattenfänger eine Pfeife, also ein kleines Instrument heraus, und begann, eine Melodie zu spielen. Da kamen bald alle Ratten und Mäuse aus den Häusern hervor und stellten sich um ihn herum. Der Rattenfänger führte die Tiere aus der Stadt hinaus, zum Fluss "Weser". Dort lief er ins Wasser, die Tiere folgten ihm und ertranken.
Als der Rattenfänger aber zu den Bürgern zurückging und seinen Lohn verlangte, wollten diese nichts mehr zahlen, obwohl das Rattenproblem doch beseitigt war. Wütend und erbittert ging der Rattenfänger aus der Stadt, ohne Geld für seine Leistung bekommen zu haben.
Da könnte die Geschichte nun zu Ende sein, aber der Rattenfänger lässt diesen Betrug nicht auf sich sitzen.
Einige Wochen später also kehrt der Rattenfänger, verkleidet als ein Jäger, in die Stadt zurück. Während alle Bürger in der Kirche sind, spielt er wieder auf seiner Pfeife. Anders als zuvor kommen dieses mal aber keine Ratten aus den Häusern, sondern alle Kinder der Stadt sammeln sich um den Mann. Weiterhin auf der Flöte spielend, führt er die Kinder aus der Stadt hinaus und verschwindet mit ihnen in den Bergen.
So haben die Bürger von Hameln also ihre Strafe für ihren Betrug erhalten. Nur zwei von den 130 entführten Kindern kehrten zurück. Jedoch konnten beide nicht erzählen, wo der Rattenfänger sie hin geführt hatte. Das eine Kind war blind, sodass es nicht gesehen hatte, wo das war. Das andere Kind war stumm, das heißt, es kann nicht sprechen.
Die Sage endet mit den Worten "Man hat sie nie mehr gesehen"
Noch heute, fast 800 Jahre später, kennt jeder Deutsche diese Sage. Das Wort "Rattenfänger" selbst ist auch eine Redewendung. Wenn zum Beispiel ein Politiker den Leuten Dinge verspricht, damit sie ihm folgen, obwohl er die Dinge nie einhalten wird, dann ist er ein Rattenfänger. Auch die Stadt Hameln verwendet die Rattenfänger-Sage, um Touristen anzulocken. Es gibt verkleidete Rattenfänger, die Kinder in Rattenkostümen mit ihrer Flöte durch die Stadt locken. Sogar auf einer Ampel findet sich eine Rattenfänger-Figur.
Ich hoffe, es hat dir Spaß gemacht, mit mir dem Rattenfänger auf die Spur zu kommen. Ich bin nun am Ende der heutigen Folge angekommen. Wie schon gesagt, ich habe die website ganzschoendeutsch.de, auf der du den Text nachlesen und dich über alles Aktuelle zum Podcast informieren kannst. Hoffentlich konntest du heute etwas Deutsch lernen! Und jetzt, abschalten